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Gesamtablauf des Berufungsverfahren
Um die Berufung einer neuen Hochschullehrerin möglichst effektiv
mitgestalten zu können, ist es wichtig, den Gang eines Berufungsverfahrens
genau zu kennen, um so an jeder Stelle des Verfahrens seine Eingriffsmöglichkeiten
nutzen zu können. Grundsätzlich gilt es zwischen Wiederbesetzungen
und Neubesetzungen von HochschullehrerInnenstellen zu unterscheiden. Der
Regelfall sind die erstgenannten Wiederbesetzungen, es handelt sich dabei
um die Besetzung von Stellen bei Ausscheiden der bisherigen Stelleninhaberin
bzw. des Stelleninhabers.
Neubesetzungen sind eher die Ausnahme, es handelt sich dabei um die
Besetzung von neu eingerichteten Stellen. Die Initiative zur (Wieder-)besetzung
geht in der Regel von den wissenschaftlichen Einrichtungen (WE, Institute)
aus, kann aber insbesondere bei Neubesetzungen auch zentral vom Senat ausgehen.
Ein Berufungsverfahren ist prinzipiell folgendermaßen aufgebaut:
Die WE tritt mit dem Wunsch auf (Wieder-) Zuweisung der betreffenden
Stelle an den Fachbereichsrat (FBR) heran. Der FBR beantragt die Wiederzuweisung.
Die zuständige Universitätskommission – die ZHPK (Zentrale
Haushalts- und Planungskommission) nimmt Stellung zum (Wieder-) Zuweisungsantrag
und legt ihn dem Senat zum Beschluß vor.
Der Senat beschließt die (Wieder-)zuweisung der Stelle und legt
fest, in welcher Form der Berufungsvorschlag erstellt wird. Es gibt hier
zwei Möglichkeiten:
1. Im Regelfall wird der beantragende Fachbereich mit der Einsetzung
einer Berufungskommission beauftragt.
2. In Ausnahmefällen (z.B. bei interdisziplinären Projekten)
kann der Senat mehrere Fachbereiche mit der Erstellung des Berufungsvorschlages
beauftragen und zu diesem Zweck eine „Gemeinsame Kommission“ (GK), zusammengesetzt
aus mehreren Fachbereichen, einsetzen.
Beurteilungsmaßstäbe
für den Berufungsvortrag
Diese Aufstellung (Übernommen von der TU München. Daher auch
die Abweichung von der Behandlung der Geschlechter im sonstigen Text. )
ist als Checkliste für einen Vortrag gedacht.
Alle Gesichtspunkte sind als Fragen formuliert. Der Zuhörer kann
sich ein Bewertungssystem überlegen (z.B. Noten von 1 - 5), das er
auf jeden Punkt anwendet (rechten Rand benutzen!). Mehrere Zuhörer
können dann mit ihren Ergebnissen die einzelnen Bewerber einigermaßen
differenziert einschätzen.
Empfehlung: Ein studentischer Vertreter sollte versuchen, den Vortrag
mitzuschreiben, da das gute Schlüsse auf den zu erwartenden Vorlesungsstil
zuläßt.
Stoffgliederung des Vortrages
Darlegung der Problemstellung am Anfang des Vortrags:
-
Wird der Zuhörer motiviert?
-
Wird das zu behandelnde Problem in einen größeren Rahmen gestellt?
-
Wie weit wird an Bekanntes angeknüpft?
-
Wird in einer Gliederung der Ablauf des Vortrags am Anfang klar geregelt?
Gliederung des Vortrages in Einzelprobleme:
-
Folgen die einzelnen Schritte logisch aufeinander?
-
Werden die einzelnen Schritte voneinander abgegrenzt?
-
Wie ist der Übergang von einem Schritt zum nächsten?
-
Wird durch Rückbeziehung auf vorhergehende Punkte der innere Zusammhang
deutlich?
-
Werden die einzelnen Punkte im Zusammenhang ausgewogen behandelt?
Beispiele:
-
Sind die Beispiele prägnant?
-
Sind sie logisch richtig eingebaut?
-
Werden sie im Zusammenhang richtig dargestellt?
-
Sind die Beispiele nach Zahl und Art angemessen?
Zusammenfassung am Ende des Vortrages:
-
Ist die Zusammenfassung übersichtlich?
-
Ist sie vollständig und trotzdem knapp?
-
Wird der Rückbezug auf den größeren Rahmen hergestellt?
Darbietung des Vortrages
Sprache:
sprachliche Bewältigung:
-
Ist die Wortwahl dem Thema und dem Hörerkreis angemessen?
-
Ist der Satzbau ... ?
rhetorische Aspekte:
-
Sind die Sätze zusammenhängend und vollständig?
-
Ist die Ausprache klar?
-
Ist die Lautstärke angemessen und kann die Lautstärke angepaßt
werden?
-
Wird gut betont?
-
Wirken die Formulierungen sicher?
Formeln und Zahlen:
-
Ist die Aussagekraft und die Häufigkeit der verwendeten Formeln im
Zusammenhang angemessen?
-
Werden Formeln gebracht, die überschaubar sind? (Zusammenfassung von
Koeffizienten etc.)
-
Werden Aussagen über den Gültigkeitsbereich von Zahlen und Formeln
gemacht? (z.B. Fehlergrenzen)
-
Werden alle verwendeten Formelbuchstaben erklärt?
-
Werden Abweichungen zwischen Formeln und Experiment zugegeben und ausreichend
begründet?
Bilder:
fertige Bilder
-
Besteht ein eindeutiger Bezug zwischen Bild und Vortrag?
-
Sind die Dias eindeutig und deutlich? (Auch in photographischer Hinsicht?)
-
Wird soweit nötig etwas zur Aufnahmetechnik gesagt (z.B. Vergrößerung)?
-
Sind Diaserien nicht nur Wiederholungen, sondern auch Verdeutlichungen?
während des Vortrages erstellte Bilder (Tafel, Overhead, etc)
-
Werden technische Schwierigkeiten bewältigt (bunte Kreide, Korrekturen)?
-
Wird die Zeichnung mit dem Vortrag richtig synchronisiert? (Zeichengeschwindigkeit)
Sind die Zeichnungen: deutlich?
übersichtlich?
vollständig?
ausreichend beschriftet?
Zusammenspiel von Sprache, Formeln und Bildern im Vortrag:
-
Sind die Bilder oder Diagramme durch den Vortrag oder die Formeln ausreichend
vorbereitet?
-
Wird der Bezug von Diagramm zur Formel klar?
-
Werden die Bilder prägnant erklärt?
-
Werden Bilder zeitlich und logisch richtig in den Vortrag eingebaut?
Diskussion:
Diskussion mit den anwesenden Professoren:
-
Wird die gestellte Frage richtig erfaßt und nochmals aufgegliedert?
-
Wird die Frage in einer klaren Folge von Einzelschritten beantwortet?
-
Findet ein Rückbezug auf den Vortrag statt?
-
Wenn Auskünfte gegeben werden, die über die Frage hinausgehen,
wird gesagt, wann die Frage eigentlich beantwortet worden ist?
Reaktion auf eine Verständnisfrage eines Studenten zum Vortrag:
-
Wird nur der Vortrag in anderen Worten wiederholt?
-
Will er den Fragesteller überrollen?
-
Ermittelt er den Kenntnisstand des Fragers durch Rückfragen und knüpft
er daran an?
-
Erklärt er mit Rücksicht auf das Niveau des Fragestellers?
-
Erklärt er anhand eines neuen Beispiels?
-
Wechselt er die Darstellungsweise gegenüber dem Vortrag (induktiv
- deduktiv)?
-
Macht er die Frage verständlich?
Beispiel für eine Anfrage zum studentischen
Gutachten
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Berufen, aber richtig! Herausgegeben von UNiMUT/GAL
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