Fachwissenschaftliche Darstellung und fachdidaktische Aufbereitung des Lehrplanthemas:
"Veränderungen im Einflußbereich der Sowjetunion beschreiben
und Auswirkungen auf das Ost-West-Verhältnis darlegen und bewerten können."


1 Fachwissenschaftlicher Teil
1.1 Perestroika und Glasnost

1.1.1 Die Refomvorhaben


Die Führung der Sowjetunion mußte sich im Verlauf der achtziger Jahre immer deutlicher eingestehen, daß "ihr" System der Korrektur bedurfte. 1
Tatsächlich gelang es dem frisch gewählten Generalsekretär der KPdSU Gorbatschow zunächst, einschneidende Reformen inmitten konservativer Kräfte anzustoßen. Der Umbau der Wirtschaft (Perestroika) und größere Transparenz in den Entscheidungen sowie eine freiere Presse (Glasnost) waren die Eckpfeiler des vorgesehenen Umbaus.
Ausgangspunkt bildete der Wunsch, die Innovationsfähigkeit für das Land zurückzugewinnen. Zu dieser Zeit (Mitte der 80er Jahre) hatte die Schattenwirtschaft bereits einen beängstigend großen Raum eingenommen. Lediglich sie ermöglichte über weite Teile noch die Verteilung der Produkte. Immer offensichtlicher wurde, daß ein radikaler Umbau stattfinden mußte, um einem Zusammenbruch zu entgehen. Es entstanden vage Entflechtungspläne für Partei und Staat, Ökonomie und Politik sowie Ideologie und Gesellschaft.2
Bereits 1986 - ein Jahr nach seiner Wahl zum Generalsekretär - betonte der Staatsmann auf dem XXVII. Parteitag der KPdSU die Notwendigkeit, die Selbstverwaltung in den Betrieben und die direkte Demokratie innerhalb des politischen Systems zu stärken. "Allerdings sollte dies durch für die innenpolitisch-ökonomischen Bereiche auf der Grundlage überkommener marxistisch-leninistischer Prinzipien und im festen Rahmen des etablierten Systems geschehen."3
Es war der Versuch einer Demokratisierung im Rahmen des bestehenden Systems.
Es wurde allmählich mit einer Umstrukturierung der Wirtschaftsführung, einer Reform der Preisbildung, einer Autonomisierung der Unternehmen und einer Dezentralisierung der Wirtschaftsentscheidungen begonnen. Deutlich wurde, daß Wirtschaftsreformen der Perestroika nur mit flankierenden politischen Reformen erfolgreich sein konnten. Bürger und Betriebe - die sich nach und nach zu Unternehmen verwandeln sollten - wurden vor behördlichen Eingriffen stärker geschützt. Es gab Bestrebungen zur Einführung parlamentarischer Elemente, Wahlverfahren wurden demokratisiert. Höchstes Organ wurde der Kongreß der Volksdeputierten, der sich wiederum zu Zweidrittel aus über Wahlkreise Gewählten zusammensetzte. Eine Mitbestimmung durch die Belegschaften war ebenso ein Bestandteil der Reformen wie die vorsichtige Einführung von Eigentum an Produktionsmitteln.
Trotz alledem erschien der Umbau nur halbherzig.
Auch die Perestroika wurde nicht mit der notwendigen Konsequenz vorangetrieben. Die Nomenklatura versuchte, die Durchschlagskraft der Gesetze nach Kräften zu verhindern. Die Bestrebungen mußten Gorbatschows mußten scheiten; sie setzten allerdings dynamische Prozesse frei, die am Ende der UdSSR beteiligt waren.4


1.1.2 Der INF-Vertrag

Die Verhandlungen über den Abbau der nuklearen Mittelstreckensysteme (Intermediate-Range Nuklear Forces, kurz INF)5 zwischen den beiden Supermächten UdSSR und den USA hatten schon im November 1981 begonnen, wurden jedoch schon kurz darauf im Rahmen der angespannten Lage der Großmächte wieder abgebrochen. Die NATO hatte im Rahmen des NATO-Doppelbeschlusses damit begonnen, Mittelstreckenraketen in Europa zu stationieren. Gleichzeitig war der Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan immer noch ein Streitpunkt der Supermächte. Die Wiederaufnahme der Gespräche im März 1985 fielen fast Zeitgleich mit dem Amtsantritt Michail Gorbatschows als Generalsekretär der KPdSU zusammen.
Da durch das SDI-Programm des Präsidenten der USA, Ronald Reagan, die Situation zwischen den beiden Staaten gespannt war, konnte zunächst außer persönlichen Kontakten kein Fortschritt erzielt werden. Durch mehrere Abrüstungsvorschläge der UdSSR im Laufe des Jahres 1986 versuchte Gorbatschow die Lage zu entschärfen. Eine fast schon unterschriftsreife Reduzierung der Mittelstreckenraketen scheiterte im Oktober 1986 auf einem Gipfeltreffen in Reykjavik am amerikanischen Festhalten am SDI-Programm.
Im Laufe des Jahres 1987 einigten sich USA und UdSSR zu diesem Thema und am 8. Dezember unterzeichneten Gorbatschow und Reagan in Washington den INF-Vertrag zur Abschaffung aller nuklearen Mittelstreckenraketen.








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Letzte Änderung am 15.11.2001